Rückblick auf das 4. SCHULEkonkret Forum in Davos
Unter dem Titel «KI und Digitalisierung in der Schule» widmete sich das SCHULEkonkret Forum 2026 im Rahmen des swch.ch-Sommercampus in Davos den Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation im Unterricht. Fachpersonen, Entscheidungsträgerinnen und Pädagog:innen aus Forschung und Praxis diskutierten intensiv darüber, wie KI das Lehren und Lernen verändert – und welche Rolle Lehrpersonen in einer von KI geprägten Welt einnehmen.
Das SCHULEkonkret Forum wurde 2023 im Rahmen des Sommercampus von swch ins Leben gerufen, um eine Brücke zwischen Wissenschaft und Schulpraxis zu schlagen. Es bietet Akteurinnen und Akteuren aus dem gesamten Bildungsbereich einen Rahmen für den offenen Austausch über drängende Zukunftsfragen. Die diesjährige Ausgabe im alpinen Ambiente von Davos verdeutlichte: Die Debatte um KI in der Schule hat die Phase rein technischer Neugier verlassen. Es geht längst um grundlegende bildungspolitische, ethische und pädagogische Fragen. Moderiert wurde der Anlass gewohnt souverän von Jana Baumgartner, Geschäftsführerin von swch.
Vielfalt begegnen mit KI: Zwischen Teilhabechancen und «AI Divide»
Den Auftakt der wissenschaftlichen Impulse machte Ingo Bosse von der Hochschule für Heilpädagogik (HfH) mit seinem Vortrag «Vielfalt begegnen mit KI». Er beleuchtete das Thema Künstliche Intelligenz konsequent aus der Perspektive von Chancengerechtigkeit, Inklusion und digitaler Teilhabe.
Bosse wies darauf hin, dass Fragen der digitalen Ungleichheit im Bildungsbereich keineswegs neu sind, durch die Etablierung von KI als universelle Basistechnologie («general purpose technology») jedoch eine neue Dringlichkeit erhalten. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Gefahr eines sogenannten AI Divide – einer Verschärfung bestehender gesellschaftlicher Klüfte durch KI-Systeme.
Besonders kritisch hinterfragte Bosse die Vorurteile und Diskriminierungsrisiken (Biases), die in KI-Systemen stecken. Da Algorithmen mit bestehenden Datensätzen trainiert werden, reproduzieren sie oft historische Stereotypen oder blenden Minderheiten schlicht aus – sei es bei der Spracherkennung oder der visuellen Darstellung. Bildkompetenz und ein kritischer Blick auf Darstellungen «auf Augenhöhe» seien daher unabdingbar.
Abschliessend betonte Bosse die strenge Einhaltung von Datenschutzstandards: Gerade im schulischen Umfeld, wo sensible Daten von Kindern und Jugendlichen verarbeitet werden, dürfen vertrauliche Informationen oder Diagnosen niemals ungeschützt an KI-Systeme weitergegeben werden. Gleichzeitig bergen barrierefreie, KI-basierte assistive Technologien (KI-AT) enorme Potenziale für die Inklusion von Menschen mit Behinderungen, sofern sie nutzerfreundlich und bezahlbar gestaltet werden.
KI-Empowerment und die Rolle der Lehrperson: Eine neue Leitfrage für die Schule
Im zweiten Impulsreferat widmete sich David Halser von der Pädagogischen Hochschule Graubünden (PH GR) der Frage nach dem pädagogischen Selbstverständnis und der Unterrichtsentwicklung unter dem Titel «KI-Empowerment und die Rolle der Lehrperson».
Halser stieg mit einer provokanten Reflexion ein: Handelt es sich bei KI im Schulzimmer um «alten Wein in neuen Schläuchen» – oder erleben wir einen fundamentalen Wandel? Während klassische Medien Wissen passiv speichern, tritt die KI als neuer aktiver Akteur auf, der selbstständig Inhalte generiert und mitspielt.
Vor diesem Hintergrund forderte Halser einen Paradigmenwechsel in den Fragestellungen der Schulentwicklung: Die Frage «Wie bringen wir KI in die Schule?» greife zu kurz. Die eigentliche Leitfrage müsse lauten: «Wie muss Schule neu gedacht werden, damit sie mündige Bürgerinnen und Bürger bildet – unter den Bedingungen von KI?»
Da Schule historisch um das Leitmedium Buch herum gebaut wurde, erfordere der Einzug der KI eine Anpassung der Aufgaben- und Lernkultur. Zukunftsfähige und «KI-robuste» Aufgaben setzen laut Halser auf eine Mensch-Maschinen-Co-Konstruktion, in der das Zusammenspiel von menschlicher Reflexion und maschineller Unterstützung geübt wird.
Für Lehrpersonen bedeutet dies eine Verschiebung der eigenen Rolle: Weg von der unfehlbaren Wissensquelle, hin zum lernenden Vorbild. Nicht reine KI-Kompetenz stehe im Vordergrund, sondern die zeitlose Lern-Kompetenz. Mit Blick auf die anstehenden Veränderungen ermutigte Halser das Publikum: Auch wenn die Anpassung der Schulkultur ein «Hosalupf» (eine Kraftanstrengung) werde, gelte es, die Chance mutig zu packen.
Fazit und Ausblick
Das SCHULEkonkret Forum 2026 in Davos hat eindrücklich aufgezeigt, dass Künstliche Intelligenz im Bildungswesen weder als reines Heilsversprechen noch als blosse Bedrohung verstanden werden darf. KI fordert Schule und Unterricht in ihren Grundfesten heraus – von der Chancengerechtigkeit über den Datenschutz bis hin zur Aufgabenkultur.
Die Diskussionen machten deutlich: Die Technik kann Werkzeug und Partner im Lernprozess sein, doch die entscheidenden Impulse für Haltung, Beziehungsarbeit und echte Mündigkeit kommen nach wie vor von den Lehrpersonen. Mit gestärktem Bewusstsein für die Stolpersteine und voller Motivation für die Gestaltungschancen genossen die Teilnehmenden bei einem Apéro riche den Sommerabend in Davos.
Fachimpulse aus der Praxis
Vier engagierte Fachpersonen aus der Schulpraxis teilten im Rahmen des Forums ihre Erfahrungen, Perspektiven und Impulse zum aktuellen Thema.
Gesprächspartner waren

Prof. Dr. Ingo Bosse
HFH – Interkantonale Hochschule für Heilpädagogik
David Halser
PH Bern – Pädagogische Hochschule
Moderation

Dr. Jana Baumgartner
Schule und Weiterbildung Schweiz (swch)
Kooperationspartner











